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Bentley Batur: 18 Exemplare, 750 PS und das Ende einer Ära

Es gibt Autos, die vor allem schnell sein wollen. Andere sollen luxuriös sein. Beim Bentley Batur ist beides fast nebensächlich, denn seine eigentliche Besonderheit beginnt schon bei der Stückzahl: Nur 18 Exemplare des Coupés wurden von Mulliner gebaut. Jedes einzelne entstand gemeinsam mit seinem späteren Besitzer und konnte bei Farben, Materialien und Oberflächen weitgehend individuell gestaltet werden. Bei der Vorstellung lag der Preis bei 1,65 Millionen britischen Pfund – vor Steuern und Sonderausstattung.

Dabei ist der Batur keineswegs nur ein besonders teurer Continental GT. Er sollte zeigen, wie Bentley künftig aussehen kann. Gleichzeitig steckt unter seiner langen Motorhaube eine Technik, die genau für das Gegenteil steht: der große 6,0-Liter-W12, der die moderne Geschichte der Marke über zwei Jahrzehnte geprägt hat.

Der Batur verbindet deshalb zwei Epochen in einem einzigen Auto. Außen blickt er in die Zukunft. Unter der Haube verabschiedet er sich von einer Vergangenheit, die so bei Bentley nicht mehr zurückkommen wird.

Bentley Batur Coupé in einer Front-Dreiviertelansicht
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Ein Bentley, aber nicht mehr der Bentley, den man erwartet

Von vorne wirkt der Batur zunächst vertraut. Die Motorhaube ist lang, der Kühlergrill groß und die Karosserie breit. Je länger man hinsieht, desto deutlicher werden jedoch die Unterschiede.

Die Scheinwerfer sind schmaler und ziehen den Blick nach außen. Die Front wirkt dadurch flacher und breiter. Von dort läuft eine klare Linie über die Schulter des Autos nach hinten. Das Dach sitzt optisch tief zwischen den kräftigen hinteren Kotflügeln.

Gerade im Seitenprofil versteht man das Auto am besten. Vorn sitzt der große W12, dahinter eine weit nach hinten versetzte Kabine. Die Karosserie scheint sich über die Hinterräder zu spannen. Bentley bezeichnete den Batur nicht zufällig als Beginn einer neuen Designsprache: Seine Formen sollten ausdrücklich Hinweise darauf geben, wie spätere Bentley-Modelle – ursprünglich insbesondere die geplanten batterieelektrischen Fahrzeuge – aussehen können.

Seitenansicht des Bentley Batur Coupé mit langer Motorhaube und flacher Dachlinie
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Interessant ist, dass Bentley dafür nicht versucht hat, seine eigene Identität loszuwerden. Der Batur sieht modern aus, aber nicht beliebig. Die lange Haube, der große Grill und die kräftige Schulter bleiben. Neu ist vor allem die Art, wie diese Elemente miteinander verbunden sind.

Anstatt überall neue Linien und Kanten einzubauen, wirkt die Karosserie erstaunlich ruhig. Das passt zu einem Grand Tourer, dessen Wirkung nicht davon abhängen muss, möglichst aggressiv auszusehen.

Die Front zeigt, wohin Bentley wollte

Aus der Nähe wird besonders deutlich, wie stark Bentley die bekannte Form des eigenen Gesichts verändert hat.

Der Kühlergrill bleibt das Zentrum. Links und rechts davon sitzen jedoch keine klassischen runden Bentley-Scheinwerfer mehr. Die schmalen Leuchten ziehen sich beinahe wie Augen in die Kotflügel hinein. Darunter öffnen sich große Lufteinlässe.

Dadurch wirkt der Batur sportlicher, ohne wie ein Supersportwagen auszusehen. Das Auto steht breit auf der Straße, behält aber die ruhige Haltung eines großen GT.

Front des Bentley Batur mit schmalen Scheinwerfern und großem Kühlergrill
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Das ist vielleicht die interessanteste Seite des Designs: Bentley musste den Batur nicht mit einem riesigen Heckflügel oder einem Dach voller Lufteinlässe versehen, um zu zeigen, dass hier viel Leistung vorhanden ist. Die Proportionen erledigen einen großen Teil dieser Arbeit bereits selbst.

Mulliner beginnt dort, wo normale Sonderausstattung aufhört

Bei einem Fahrzeug mit nur 18 Exemplaren wäre es fast merkwürdig gewesen, wenn alle gleich ausgesehen hätten.

Bentley ließ die Besitzer deshalb zusammen mit Mulliner sehr weit in die Gestaltung des eigenen Autos eingreifen. Lacke, Leder, Stoffe, Furniere und Metalloberflächen konnten miteinander kombiniert werden. Neben klassischen Materialien standen auch Titan, Naturfaser-Verbundwerkstoffe und Bauteile aus 3D-gedrucktem 18-karätigem Gold zur Verfügung.

Das klingt auf einer Ausstattungsliste zunächst nach Luxus um des Luxus willen. An den Detailaufnahmen ergibt das Konzept aber mehr Sinn.

Felgen, Zierleisten und kleine Flächen werden nicht einfach mit einer Kontrastfarbe versehen. Farben tauchen an unterschiedlichen Stellen wieder auf und verbinden einzelne Elemente miteinander. Dadurch kann ein Batur völlig anders wirken als der nächste.

Detail des Bentley Batur Black Rose mit 22-Zoll-Rad und Roségold-Akzenten
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Gerade bei einem solchen Auto liegt ein großer Teil des Reizes deshalb nicht in etwas, das sich auf einem technischen Datenblatt messen lässt. Es geht um die Art, wie Metall auf Leder trifft, wie eine lackierte Fläche im Licht wirkt oder wie sauber zwei Materialien an einer Kante zusammengeführt werden.

Das sind Kleinigkeiten. Bei einem Mulliner-Modell sind sie aber ein wesentlicher Teil des Autos.

The Black Rose: 210 Gramm Roségold im Innenraum

Wie weit diese Individualisierung gehen kann, zeigt der später vorgestellte Black Rose Batur.

Seine Karosserie kombiniert einen speziell entwickelten Black-Rose-Metalliclack mit einem oberen Bereich in Beluga-Schwarz. Dazu kommen Akzente in satiniertem Roségold. Diese Farbe findet sich am Grill, an Außendetails, den Spiegelkappen und den 22-Zoll-Rädern wieder.

Noch ungewöhnlicher wird es innen.

Bentley verwendete dort erstmals 3D-gedrucktes massives Roségold. Insgesamt stecken bis zu 210 Gramm punziertes 18-karätiges Roségold an ausgewählten Berührungspunkten im Innenraum. Der Black Rose gehört außerdem zu lediglich drei rechtsgelenkten Batur Coupés.

Das Interessante daran ist weniger der reine Materialwert. Bentley verbindet hier eine sehr alte Vorstellung von Luxus – echtes Edelmetall – mit einem modernen Fertigungsverfahren wie dem 3D-Druck.

Genau diese Mischung zieht sich durch das gesamte Auto.

Unter der Haube wartet noch einmal der große W12

Dann öffnet man die Motorhaube und landet plötzlich in einer ganz anderen Bentley-Epoche.

Dort sitzt kein Elektromotor und auch kein Hybridantrieb. Im Batur arbeitet der 6,0-Liter-W12-Biturbo.

Für dieses Modell entwickelte Bentley die stärkste Ausbaustufe des Motors. Ein neues Ansaugsystem, geänderte Turbolader, überarbeitete Ladeluftkühler sowie neue Abstimmungen ermöglichten schließlich 750 PS und 1.000 Nm Drehmoment. Das maximale Drehmoment steht laut Bentley zwischen 1.750 und 5.000 U/min zur Verfügung. Geschaltet wird über ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe.

6,0-Liter-W12-Biturbo des Bentley Batur mit 750 PS
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Diese Zahlen erzählen aber nur einen Teil der Geschichte.

Bentleys W12 wurde seit dem ersten Continental GT immer weiterentwickelt. Mehr als 100.000 Exemplare entstanden in Crewe. Ein einzelner Motor benötigte dort mehr als sechseinhalb Stunden für die Montage von Hand, bevor anschließend weitere Prüfungen folgten. Die Produktion des W12 endete 2024.

Damit ist der Batur nicht einfach ein weiteres Auto mit zwölf Zylindern.

Er gehört zu den letzten Fahrzeugen, in denen Bentley diesen Motor in seiner stärksten Form noch einmal zeigen konnte.

Und vielleicht passt gerade deshalb die Kombination so gut: Die Karosserie zeigt, wie Bentley in die Zukunft gehen wollte. Der Motor darunter erinnert daran, woher die Marke kam.

Luxus bedeutet beim Batur nicht, langsam durch die Stadt zu rollen

750 PS und 1.000 Nm wären wenig sinnvoll, wenn Bentley sie einfach in ein besonders schön ausgestattetes Coupé gesteckt hätte.

Deshalb erhielt der Batur auch ein entsprechend aufwendiges Fahrwerk. Dazu gehören eine speziell abgestimmte Luftfederung, ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial, Allradlenkung, Torque Vectoring und eine aktive elektrische Wankstabilisierung mit 48-Volt-Technik.

Das Ziel war dabei nicht, aus dem Batur einen leichten Rennwagen zu machen. Das wäre bei einem luxuriösen Grand Tourer ohnehin die falsche Aufgabe.

Stattdessen soll das große Coupé zwei Eigenschaften miteinander verbinden, die normalerweise gegeneinander arbeiten: Ruhe auf langen Strecken und Kontrolle, wenn eine Straße enger und schneller wird.

Bentley Batur Black Rose während der Fahrt auf einer kurvigen Straße
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Gerade das macht einen schnellen Bentley interessant. Leistung soll nicht ständig Aufmerksamkeit verlangen. Man kann entspannt fahren und weiß trotzdem, dass bei einem Druck aufs Gaspedal 1.000 Nm zur Verfügung stehen.

Die Technik arbeitet im Hintergrund. Das Auto muss seine Geschwindigkeit nicht permanent beweisen.

Innen wird es plötzlich viel ruhiger

Nach der dramatischen Außenhaut wirkt der Innenraum fast wie ein Gegenprogramm.

Man sitzt tief, aber nicht in einer kahlen Carbonwanne. Vor dem Fahrer liegen Leder, Metall, sauber eingefasste Bedienelemente und ein Cockpit, das weiterhin eindeutig als Bentley erkennbar ist.

Der Batur bleibt ein Grand Tourer.

Innenraum des Bentley Batur mit Ledersitzen, Mittelkonsole und Fahrer-Cockpit
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Genau hier wird der Unterschied zu vielen limitierten Supersportwagen deutlich. Bentley hat das Auto nicht leichter gemacht, indem alles entfernt wurde, was eine lange Fahrt angenehm macht.

Stattdessen wurde die vorhandene Umgebung aufwendig verfeinert.

Beim ursprünglichen Batur konnte beispielsweise schwarz eloxiertes Aluminium mit satiniertem Titan kombiniert werden. Bestimmte Bedienelemente konnten sogar aus 18-karätigem Gold gefertigt werden. Auf der Instrumententafel des Präsentationsfahrzeugs befand sich außerdem eine lasergravierte Darstellung der Schallwelle des W12-Motors.

Luxus erkennt man aus einem Meter Entfernung – Qualität aus zehn Zentimetern

Aus einiger Entfernung sieht fast jeder moderne Luxusinnenraum beeindruckend aus.

Interessanter wird es, wenn man näher herangeht.

Dann sieht man die Nähte. Die Übergänge zwischen Materialien. Die Struktur der Oberflächen. Die Kanten eines Metallteils. Den Widerstand, den man sich beim Drehen eines Reglers vorstellt.

Detail des Bentley Batur Innenraums mit Leder, Nähten und hochwertigen Oberflächen
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Gerade deshalb passen Detailbilder zum Batur besser als zu vielen anderen Autos. Seine Besonderheit steckt nicht ausschließlich in seiner Form.

Mulliner bot unter anderem Leder aus nachhaltig bezogenen Quellen, Textilien auf Kaffeebasis, Naturfaser-Verbundwerkstoffe, Titan und additiv gefertigtes Gold an.

Ein einzelnes Material macht ein Auto nicht automatisch luxuriös. Entscheidend ist, wie diese Materialien nebeneinander wirken und wie sauber sie verarbeitet werden.

Beim Batur hatte jeder der 18 Besitzer die Möglichkeit, genau diese Kombination selbst mitzugestalten.

Selbst ein kleiner Drehregler kann Teil des Konzepts sein

Das vielleicht beste Beispiel dafür liegt direkt in der Mittelkonsole.

Gerändelter Drehregler in der Mittelkonsole des Bentley Batur
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Ein Regler ist zunächst einfach nur ein Regler. Er muss sich drehen lassen und eine Funktion ausführen.

Bei Mulliner wird daraus ein Gestaltungselement.

Oberfläche, Material, Rändelung und Farbe werden so ausgeführt, dass das Teil auch dann interessant bleibt, wenn das Auto längst steht. Genau darin unterscheidet sich handwerklicher Luxus von einer langen Ausstattungsliste.

Man benutzt solche Dinge jedes Mal, wenn man fährt. Deshalb sind sie am Ende vielleicht wichtiger als irgendein spektakuläres Detail, das man nur von außen sieht.

Auch das Audiosystem wurde für den Batur entsprechend behandelt. Gemeinsam mit Naim und Focal entstand das optionale Naim for Mulliner mit 20 Lautsprechern. Für seine Entwicklung wurden laut Bentley mehr als 56 Anforderungen definiert; Technologien aus rund 10.000 Stunden Entwicklungsarbeit der beteiligten Marken flossen in das System ein.

Das passt zum Charakter des Autos. Ein Batur soll nicht nur schnell von einem Ort zum anderen kommen. Er soll ein Ort sein, an dem man gerne Zeit verbringt.

Und dann gibt es auch noch die passende Ducati

Die Geschichte des Batur endete erstaunlicherweise nicht bei vier Rädern.

Ducati nahm das Design des Bentley zum Vorbild für die Diavel for Bentley. Grundlage ist die Diavel V4, deren Gestaltung mit typischen Batur-Elementen kombiniert wurde.

Ducati Diavel for Bentley neben dem Bentley Batur Coupé
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Von der normalen Ducati Diavel for Bentley entstanden 500 nummerierte Exemplare. Zusätzlich wurden 50 Diavel for Bentley Mulliner für Bentley-Kunden vorgesehen, die noch weiter individualisiert werden konnten.

Das Motorrad ist deshalb mehr als irgendeine Kooperation mit zwei Logos auf demselben Produkt. Form, Materialien und Farben greifen Elemente des Batur auf.

Und irgendwie passt auch das zum Auto.

Ein Modell, von dem nur 18 Exemplare existieren, wird zum Ausgangspunkt für ein völlig anderes Fahrzeug. Das zeigt, welche Bedeutung Bentley dem Batur für die eigene Designsprache gegeben hat.

Ein Auto zwischen zwei Bentley-Epochen

Der Bentley Batur ist leicht über seine Zahlen zu erklären.

18 Exemplare.

750 PS.

1.000 Nm.

Sechs Liter Hubraum.

Zwölf Zylinder.

Aber gerade diese Zahlen erzählen nicht, warum das Auto interessant ist.

Der Batur wurde zu einem Zeitpunkt entwickelt, an dem Bentley bereits an einer neuen Zukunft arbeitete. Seine Karosserie sollte zeigen, wie sich die Formensprache der Marke verändern kann. Neue Materialien und Fertigungsverfahren sollten zeigen, wie sich auch Luxus weiterentwickeln lässt.

Und ausgerechnet in dieses Auto setzte Bentley die stärkste Version eines Motors, dessen Produktion kurz darauf endete.

Dadurch wirkt der Batur heute fast wie eine Übergabe.

Der W12 steht für die Bentley-Ära, die mit dem Continental GT Anfang der 2000er-Jahre begann. Die Karosserie des Batur blickt bereits darüber hinaus.

Dazwischen sitzen 18 Autos, die nicht einmal gleich aussehen müssen.

Vielleicht ist genau das der größte Luxus am Batur: nicht seine Leistung und auch nicht das Gold im Innenraum. Sondern die Tatsache, dass Bentley bei nur 18 Exemplaren genug Zeit investieren konnte, um aus jedem einzelnen tatsächlich das Auto seines Besitzers zu machen.