Der Porsche 911 GT3 S/C ist kein Auto, bei dem eine einzige Zahl alles erklärt.
510 PS sind stark. 313 km/h Höchstgeschwindigkeit sind schnell. Und 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h reichen mehr als aus.
Der eigentliche Reiz beginnt aber dort, wo viele moderne Sportwagen inzwischen in eine andere Richtung gehen.
Hinter dem Fahrer arbeitet ein frei saugender Vierliter-Sechszylinder. Er darf bis 9.000 Umdrehungen pro Minute drehen. Geschaltet wird ausschließlich von Hand. Und zum ersten Mal kombiniert Porsche diese GT3-Technik mit einem vollautomatischen Cabrioverdeck.

Das klingt fast wie die Wunschliste eines Autofans: Hochdrehzahl-Sauger, wenig Gewicht, Handschaltung und dann auch noch ein Dach, das verschwinden kann.
Endlich ein offener GT3
Beim GT3 S/C verschwindet das Stoffverdeck in rund zwölf Sekunden. Öffnen und Schließen funktioniert während der Fahrt bis 50 km/h.
Damit das Dach nicht unnötig Gewicht auf das Auto packt, verwendet Porsche unter anderem Magnesium für wichtige Bauteile der Verdeckkonstruktion. Gleichzeitig bleibt die typische 911-Dachlinie erhalten, wenn das Verdeck geschlossen ist.

Von der Seite sieht man besonders gut, warum das funktioniert.
Die Front bleibt niedrig. Dahinter steigt die bekannte 911-Silhouette an und fällt anschließend weich zum Heck ab. Das Stoffdach verändert diese Grundform erstaunlich wenig.
Offen entsteht dann aber ein völlig anderes Erlebnis.
Zwischen Fahrer und Motor liegt kein festes Dach mehr.
Und bei einem Motor, der bis 9.000 Touren dreht, dürfte genau das einer der wichtigsten Gründe für dieses Auto sein.
Vier Liter Hubraum, sechs Zylinder und kein Turbo
Der Motor sitzt dort, wo man ihn bei einem 911 erwartet: hinten.
Es ist ein 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer ohne Turbolader. Er leistet 375 kW beziehungsweise 510 PS und liefert 450 Nm Drehmoment.
Die Drehzahlgrenze liegt bei 9.000 U/min. Von 0 auf 100 km/h benötigt der GT3 S/C 3,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 313 km/h.
Noch interessanter als die reine Leistung ist die Art, wie sie entsteht.
Ein Saugmotor muss nicht auf Ladedruck warten. Mit steigender Drehzahl wird er immer lebendiger. Porsche verwendet unter anderem Einzeldrosselklappen, Titanpleuel und geschmiedete Kolben. Die technische Basis stammt aus dem Motorsport.
Das Ergebnis ist kein Motor, den man möglichst früh hochschaltet.
Man will genau das Gegenteil machen.
Man will ihn drehen lassen.
Geschaltet wird selbst
Im GT3 S/C gibt es ausschließlich ein Sechsgang-GT-Sportschaltgetriebe.
Kein PDK übernimmt den nächsten Gang. Der Fahrer greift selbst zum Schalthebel.

Porsche hat das Getriebe bewusst kurz übersetzt. Dazu kommen kurze Schaltwege, eine deutlich definierte Rastung und eine zuschaltbare automatische Zwischengasfunktion.
Das Schaltgetriebe spart gegenüber einem PDK außerdem 17 Kilogramm Gewicht.
Das ist wahrscheinlich eines der wichtigsten Details am ganzen Auto.
Bei vielen modernen Sportwagen übernimmt die Elektronik den Gangwechsel schneller und perfekter, als ein Mensch es könnte.
Beim GT3 S/C geht es nicht darum, wer am schnellsten schaltet.
Es geht darum, dass man überhaupt noch selbst schalten darf.
Leichtbau findet man überall
Trotz des vollautomatischen Verdecks wiegt der GT3 S/C nur 1.497 Kilogramm.
Porsche erreicht das nicht mit einem einzelnen großen Trick. Stattdessen wird an vielen Stellen Gewicht eingespart.
Kotflügel, Türen und Fronthaube bestehen aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Eine kleine Lithium-Ionen-Starterbatterie spart weitere Kilogramm. Die serienmäßige Keramikbremsanlage ist mehr als 20 Kilogramm leichter als die entsprechende Graugussanlage.

Auch die Räder spielen dabei eine Rolle.
Vorne misst das Zentralverschlussrad 20 Zoll, hinten 21 Zoll. Die Magnesiumräder sparen gegenüber vergleichbaren Aluminiumrädern rund neun Kilogramm an rotierender Masse.
Das ist Gewicht an einer Stelle, an der man es besonders gern verliert.
Ein leichteres Rad muss bei jeder Beschleunigung mitbewegt und bei jeder Bremsung wieder verzögert werden. Gleichzeitig gehört ein Teil seiner Masse zu den ungefederten Komponenten des Fahrzeugs.
Die goldenen Räder sehen also nicht nur gut aus.
Sie haben einen echten technischen Zweck.
Zum ersten Mal Doppelquerlenker in einem offenen 911
An der Vorderachse steckt ein weiteres besonderes Detail.
Der GT3 S/C ist der erste offene 911 mit einer Doppelquerlenker-Vorderachse. Die Fahrwerksabstimmung orientiert sich am 911 GT3 mit Touring-Paket.

Die Konstruktion soll das Vorderrad besonders präzise führen. Dazu kommen breite Sportreifen: vorne 255/35 ZR 20, hinten 315/30 ZR 21.
Und genau hier wird der GT3 S/C interessant.
Natürlich kann ein solches Auto auf eine Rennstrecke.
Aber auf einer guten, kurvigen Landstraße ergibt die Kombination fast noch mehr Sinn.
Man lenkt selbst.
Man schaltet selbst.
Man bestimmt die Drehzahl selbst.
Und das Dach kann offen bleiben.
Das Cockpit versucht nicht, einem die Arbeit abzunehmen
Im Innenraum bleibt Porsche ebenfalls bei diesem Gedanken.
Der GT3 S/C ist ein reiner Zweisitzer. Statt einer Rückbank konzentriert sich der Innenraum auf Fahrer und Beifahrer. Serienmäßig gibt es Sportsitze Plus, optional stehen leichte Carbon-Schalensitze zur Verfügung.

Links vom Lenkrad sitzt weiterhin ein Zünddrehschalter.
Vor dem Fahrer befindet sich zwar eine digitale Instrumententafel, sie lässt sich aber auf die für schnelles Fahren wichtigen Informationen reduzieren. Im Track-Screen stehen unter anderem Reifen-, Öl- und Wassertemperaturen im Vordergrund.
Besonders schön: Die Anzeige kann so gedreht werden, dass die 9.000-U/min-Marke oben auf zwölf Uhr steht. Schaltblitze zeigen zusätzlich an, wann der nächste Gang fällig wird.
Das ist moderne Technik.
Aber sie unterstützt das Fahren, statt das Fahren zu übernehmen.
Sportlich muss nicht automatisch komplett schwarz bedeuten
Ein GT3-Innenraum kann sehr technisch aussehen.
Beim S/C darf er aber auch deutlich mehr Persönlichkeit haben.

Mit dem optionalen Street Style Paket kombiniert Porsche beispielsweise unterschiedliche Farben und Materialien. Im Innenraum kommen dabei unter anderem auffällig gestaltete Sitzmittelbahnen und Bi-Color-Leder zum Einsatz.
Besonders ungewöhnlich ist ein vierfarbiges Flechtleder in Schiefergrau, Indischrot, Magnesiumgrau und Kalahari. Dazu kommen farblich abgestimmte Nähte, Gurte und weitere Details.
Das gefällt mir an dem Auto.
Der GT3 S/C muss nicht zwangsläufig aussehen wie ein nüchternes Rennstreckenwerkzeug.
Er kann leicht, schnell und fahrerorientiert sein und trotzdem etwas Charakter zeigen.
Kleine Details erinnern ständig daran, was man fährt
Überall am Auto findet man kleine GT3-S/C-Hinweise.

Das Logo sitzt nicht einfach nur irgendwo auf dem Heck. Porsche verteilt solche Details bewusst über Exterieur und Innenraum.
Gerade bei einem Auto, dessen Grundform seit Jahrzehnten sofort als 911 erkennbar ist, braucht es keine komplett neue Karosserie, um eine besondere Variante daraus zu machen.
Ein anderer Windschutzscheibenrahmen, das offene Dach, spezielle Räder und einige gezielte Schriftzüge reichen schon aus.
Auf einer kurvigen Straße ergibt alles plötzlich Sinn
Technische Daten kann man nebeneinander in eine Tabelle schreiben.
Beim GT3 S/C erklären sie aber nur einen Teil des Autos.
Die interessantere Vorstellung ist eine andere:
Dach öffnen.
Motor warmfahren.
Zweiter Gang.
Kurve.
Dann wieder aufs Gas und den Boxer über 7.000, 8.000 und schließlich Richtung 9.000 U/min drehen.

Genau dafür scheint dieses Auto gebaut worden zu sein.
Das kurze Getriebe sorgt dafür, dass man häufiger schaltet. Der Saugmotor belohnt hohe Drehzahlen. Das niedrige Gewicht hilft beim Richtungswechsel. Und das offene Dach lässt mehr von der gesamten Geräuschkulisse in den Innenraum.
Beim GT3 S/C ist Fahrspaß deshalb nicht nur das Ergebnis möglichst hoher Geschwindigkeit.
Man bekommt möglichst viel davon mit, wie diese Geschwindigkeit entsteht.
Der Motorsound dürfte einer seiner größten Reize sein
Porsche verwendet eine leichte Edelstahl-Sportabgasanlage mit zwei mittig angeordneten Endrohren.
Trotz moderner Abgasreinigung mit Partikelfiltern und Katalysatoren soll der Hochdrehzahl-Boxer seinen charakteristischen Klang behalten.
Ohne festes Dach kommt davon natürlich noch mehr beim Fahrer an.
Das ist vielleicht genau die richtige Zeit für ein solches Auto.
Immer mehr sehr schnelle Fahrzeuge werden elektrifiziert. Andere bekommen Turbomotoren und automatische Getriebe.
Der GT3 S/C macht bewusst etwas anderes.
Kein Turbo.
Keine elektrische Unterstützung.
Keine Automatik.
Stattdessen ein großer Saugmotor, der Drehzahl will.
Trotz Purismus muss man nicht leiden
Der GT3 S/C soll ein Driver's Car sein.
Das bedeutet aber nicht, dass jede längere Fahrt unbequem werden muss.
Neben den serienmäßigen Sportsitzen bietet Porsche verschiedene Sitzoptionen an. Auch Sitzheizung und weitere Komfortausstattungen sind verfügbar. Das offene Fahren unterstützt außerdem ein elektrisch bedienbares Windschott, das sich in rund zwei Sekunden ausfahren lässt.
Damit kann der GT3 S/C etwas, das viele kompromisslose Sportwagen nicht besonders gut können:
Man kann wahrscheinlich auch einfach mal mehrere Stunden damit unterwegs sein.
Und genau das passt zum Konzept.
Ein Auto für die gute Straße bringt wenig, wenn man nach einer Stunde keine Lust mehr hat, darin zu sitzen.
13,7 Liter – Sparsamkeit war nicht das Entwicklungsziel
Beim Verbrauch macht der GT3 S/C keinen Versuch, seinen Charakter zu verstecken.
Nach WLTP liegt der kombinierte Verbrauch bei 13,7 Litern Super Plus auf 100 Kilometer. Die kombinierten CO₂-Emissionen betragen 310 g/km, entsprechend CO₂-Klasse G.
Effizienz ist also eindeutig nicht der Grund, warum man dieses Auto kauft.
Dafür bekommt man eine Kombination, die zunehmend selten wird:
einen Hochdrehzahl-Saugmotor, Handschaltung, niedriges Gewicht und ein Fahrwerk, das den Fahrer möglichst direkt mit der Straße verbinden soll.
Vielleicht ist genau das heute der Luxus
Sportwagen werden immer leistungsfähiger.
Mehr Leistung.
Mehr Elektromotoren.
Mehr Fahrprogramme.
Mehr Automatisierung.
Der GT3 S/C geht an einigen entscheidenden Stellen bewusst in die andere Richtung.

510 PS reichen.
Sechs Gänge reichen.
Zwei Sitze reichen.
Und statt noch mehr Technik zwischen Fahrer und Auto zu packen, nimmt Porsche einfach das Dach weg.
Vielleicht ist das heute tatsächlich eine besondere Form von Luxus.
Nicht möglichst viel zu bekommen.
Sondern genau die richtigen Dinge.
Einen Motor, der bis 9.000 U/min dreht.
Einen Schalthebel in der Hand.
Eine kurvige Straße vor sich.
Und über einem nur noch den Himmel.